Der Heimatkreis: Was ist das und wie ist er entstanden?
Nach Kriegsende und nach Flucht und Vertreibung stand für viele Pommern die Zusammenführung von Familien, das Suchen nach Angehörigen, Freunden und Bekannten im Vordergrund. Bald fanden sich ehrenamtliche Mitarbeiter, die die Sammlung der Adressen der zerstreuten Landsleute in Heimatortskarteien und die Korrespondenz übernahmen. Diese Heimatkreisbearbeiter tagten zum ersten Male am 21. Juli 1948 in Rendsburg.
Hier wurden erstmals verantwortliche Hauptbearbeiter für die früheren Landkreise ernannt. Für den Kreis Schlawe übernahm der ehemalige Bürgermeister der Stadt Schlawe, Willy Stübs, diese Aufgabe als Heimatkreisbearbeiter. In der Folgezeit festigten sich die Strukturen, und es bildeten sich die Heimatkreisausschüsse, in denen ehrenamtlich für die Heimatkreise gearbeitet wurde. An ihrer Spitze standen die jeweiligen Heimatkreisausschuss-Vorsitzenden.
Heimatkarte des Kreises Schlawe
Die amtliche Schulkarte
im Kreis Schlawe
vor 1945
Flemmings-Verlag, Breslau-Deutsch Lissa
Nachdruck: Oskar Boll, Duisburg 1996
Maßstab: 1 : 150.000
Maße: 54 x 44 cm
Zu bestellen beim HKA Schlawe
(5,- € + Versandkosten)
Marienkirche Schlawe
Rauchhaus

Bauernhaus
Die Organisation der Heimatkreisbearbeiter wurde später in die "Arbeitsgemeinschaft der Heimatkreise" umbenannt, die zum Vorgänger des 1967 gegründeten Pommerschen Kreis-und Städtetages wurde.
Unter diesem gemeinsamen Dach arbeiten die hinterpommerschen Heimatkreise der jeweiligen Stadt-und Landkreise noch heute und verstehen sich dabei als deren Nachfolge-Körperschaften.
Aufgaben der Heimatkreise:
(§ 3 der pommerschen Heimatkreisordnung in der Fassung von 1989)
(1) Der Heimatkreis hat das Wohl seiner Angehörigen zu fördern und deren Willen, in ihre angestammte Heimat zurückzukehren, sichtbar zu machen.
(2) Insbesondere hat er
- seine Angehörigen in sozialer Hinsicht zu betreuen
- eine Heimatkreiskartei zu führen, beim Suchdienst und bei der Rückkehrplanung mitzuwirken sowie ihm übertragene hoheitliche Aufgaben zu erfüllen.
- den Zusammenhalt aller Angehörigen durch Heimattreffen und Zusammenschlüsse, auch bei der Jugend zu stärken
- heimatliche Kultur und Bräuche zu pflegen und Kulturgüter zu sammeln
- die Verbindung mit den Patenschaftsträgern zu vertiefen.
(3) Die Arbeit für den Heimatkreis wird ehrenamtlich geleistet, Auslagen können erstattet werden.
Organe der Heimatkreise:
(§ 4 der pommerschen Heimatkreisordnung in der Fassung von 1989)
1. Heimatkreistag (Patenschafts- oder Heimatkreistreffen) und/oder der Heimatkreisausschuss (HKA)
2. der Heimatkreisbearbeiter
Zukunft der Heimatkreise:
Die meisten Heimatkreise leiden darunter, dass ihnen der Nachwuchs fehlt, um das Verständnis für „Pommern als Heimat“ aufrecht zu erhalten.
Und trotzdem gibt es eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg und fern ab von Pommern geboren sind, und die sich dennoch für die pommersche Geschichte und Kultur interessieren. Diese Menschen sind in allen Altersgruppen und Schichten zu finden und teilweise in verschiedenen Ländern zu Hause. Sie sehen in Pommern ihre „Historische Heimat“. Sie erkennen, dass ein Land, dessen Werte, Kultur und Geschichte ihre Vorfahren und Familie über Generationen hinweg geprägt hat, somit auch zu einem wichtigen Bestandteil ihrer eigenen Identität und ihres Selbstbewusstseins werden muss.
Das Ideal „Pommern als Heimat“ ist sicherlich für die Erlebnisgeneration von großer Bedeutung. Für die Nachgeborenen sollte es jedoch erstrebenswert sein, Pommern als ihre „Historische Heimat“ zu sehen, dessen Geschichts- und Kulturerbe es zu bewahren gilt. Aus diesem Grunde wird der Heimatkreis Schlawe künftig verstärkt den Aspekt „Pommern als historische Heimat“ hervorheben und vertreten.